MB&F: Die Kunst der Uhrmacherei als lebendige Kreativität – Zwischen Leidenschaft, Unabhängigkeit und exklusiver Zukunftssicherung
Ein faszinierender Einblick in die zeitlose Welt einer Marke, die Mut über Rendite stellt, kreative Freiheit zelebriert und mit stoischer Eleganz die Herausforderungen der Luxusuhrenbranche meistert.
Zwischen Herausforderung und Innovation – Wie MB&F die Schweizer Uhrmacherei neu definiert
Die Schweizer Uhrenindustrie durchlebt im Jahr 2024 eine der anspruchsvollsten Phasen ihrer Geschichte. Die Exporte sanken um 2,8 % auf 25,9 Milliarden CHF, ein Rückschlag, der insbesondere volumenorientierte Marken spürt. Doch während die Massenmärkte schwächeln, zeigt MB&F, jener unabhängige Genfer Uhrmacher mit visionärem Geist, eine andere, leuchtende Facette der Haute Horlogerie: Geduldige Wartelisten, treue Sammler und ungebrochene kreative Strahlkraft.
Dieses außergewöhnliche Label ist nicht nur ein Uhrmacher, sondern eine Bastion der Inspiration. Maximilian Büsser, Gründer und kreativer Kopf von MB&F, öffnet im Gespräch auf dem Luxury Society Podcast sein Herz und seine Geschichte: Von der spontanen Gründung auf einem Flug nach Singapur bis zur jüngsten Partnerschaft mit Chanel – die Entscheidung, das Unternehmen klein zu halten und trotzdem Großes zu schaffen, prägt bis heute das Handeln.
Warum MB&F nie ein Businessplan war – Die Geburt aus Leidenschaft
Die Entstehung von MB&F ist eine Ode an das Unvorhersehbare und an jene Entscheidungen, die das Herz lenken, nicht das Kalkül. Im Jahr 2003, während eines Rückflugs von Singapur, zeichnete Büsser die Umrisse einer Uhr in Form einer Acht – ein Symbol für Unendlichkeit. Damals führte er als CEO von Harry Winston Rare Timepieces bereits eine florierende Uhrenlinie mit spektakulären Opus-Konzepten. Doch eine Vertragsklausel mit einem Non-Compete-Konflikt war der Funke, der ihn zum Abschied zwang.
Büsser: „Wenn ich diesen Vertrag unterschreibe, bin ich tot.“ Dieser Moment, ein Wagnis auf blindes Vertrauen, wurde zum Grundstein seines Schaffens: Eine Marke, die nicht dem kurzfristigen Gewinn, sondern dem Stolz von Generationen verpflichtet ist. Sein Credo: „Ein kreativer Erwachsener ist ein Kind, das überlebt hat.“ Und genau dieser unbeeindruckte kindliche Mut, keine Angst vor Fehlern zu haben, definiert MB&F.
Retailers Illustration – Celebrating 20 Years of MB&F
Credit: MB&F
Klein bleiben, scharf bleiben – Die Disziplin hinter dem Erfolgsrezept
Trotz ungebrochener Nachfrage hält MB&F produktiv die Handbremse: Rund 400 exquisite Uhrmodelle der Horological und Legacy Machines verlassen jährlich das Atelier, eine moderate Steigerung seit der Pandemie. Der Wille nicht zu wachsen, sondern die kreative Schärfe zu bewahren, ist gewollt – und mutig angesichts des Marktdrucks.
Eine weitere Facette des Hauses ist die Marke M.A.D.Editions, welche ursprünglich als eine Art zugängliche Uhr für Freunde konzipiert wurde, dann aber nach jahrelangen Hürden in den Hintergrund trat. Erst die Pandemie belebte das Vorhaben neu: Statt eines dauerhaften Angebots entstand eine limitierte Edition von 1.000 Stück mit anschließendem Erfolg, getragen von exklusiven Verlosungen und durchdachter Zurückhaltung.

Eric Giroud and Max Büsser collaborating on the M.A.D. 2 collection.
Credit: MB&F
Die Umsätze bündeln sich heute auf drei solide Säulen: rund 300 Stück im Großhandel, 100 im Direktverkauf und 5.000 limitierte M.A.D.Editions-Uhren jährlich – eine ausgewogene Architektur, die der Firma Stabilität in volatilen Zeiten verleiht.
Unabhängigkeit neu definiert – Die strategische Allianz mit Chanel
Im August 2024 überraschte MB&F den Markt mit einem unerwarteten Schritt: Chanel erstand eine Beteiligung von 25 % am Unternehmen. In einer Branche, die oft Kreativität mit kompromissloser Eigenständigkeit verbindet, könnte dieses Faktum als Widerspruch erscheinen. Doch Maximilian Büsser offenbart ein tiefgründiges Motiv hinter dieser Partnerschaft.
Mit 59 Jahren, im Angesicht der eigenen Endlichkeit sowie der Familie, spürte Büsser die Verantwortung, die Zukunft seiner Schöpfung langfristig zu sichern – auf eine Weise, die die kreative Freiheit wahrt und gleichzeitig seine Angehörigen schützt. Chanel, mit vergleichbaren Minderheitsbeteiligungen bei F.P. Journe und Romain Gauthier, wurde zum verlässlichen Partner, der freier Kunst Raum bietet, ohne einzugreifen.

MB&F M.A.D.HOUSE – Workshop
Credit: MB&F
Dieses Modell prägt die moderne Auffassung von Unabhängigkeit in der Luxuswelt: Es geht nicht bloß um Isolation von institutionellen Kapitalgebern, sondern um das Ermöglichen von visionären, kreativen Wagnissen in einem stabilen, geschützten Umfeld.
MB&F als kreative Bastion – Ein Leuchtturm für die Generationen von Morgen
Zwei Jahrzehnte nach dem kühnen Schritt auf das unbekannte Terrain blickt Büsser auf ein vielseitiges, robustes Unternehmen, das niemals seine Seele verkauft hat. Der Wandel der Medien- und Kundenwelt, von gedruckten Magazinen zu direkter digitaler Kommunikation, öffnet der neuen Generation von unabhängigen Uhrmachern ungeahnte Chancen.
Büsser mahnt indes zur Konzentration: Die gewonnene Zeit durch den digitalen Distributionskanal solle der intensiven Arbeit an künstlerischer Innovation und kreativer Risikobereitschaft gewidmet sein – stets in der Suche nach dem eigenen, authentischen Nordstern.
Mit MB&F erleben wir, wie Uhrmacherei zur lebendigen Kunstform erwächst – eine Symbiose aus Kindlichkeit, Mut und meisterlicher Technik. Ein exklusiver Kosmos, der Schönheit und Funktion zu zeitlosen Meisterwerken verbindet und uns lehrt, dass wahrer Luxus aus der Loyalität zum eigenen Credo erwächst.
Erkunden Sie die inspirierende Welt von MB&F und hören Sie das vollständige Interview mit Maximilian Büsser auf dem
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Die Zukunft der Haute Horlogerie ist kein Geschäft, sondern ein Abenteuer – das MB&F mit Anmut und Selbstbewusstsein gestaltet.